europas grenzen auf dem weg nach griechenland – ein Reisebericht

„Roadtrip- Reise auf Umwegen 15.03- 29.03. 2016“

Reisebericht von Jonas S. auf dem Weg nach Griechenland

Nahezu jedes Jahr begeben wir uns, als Gruppe von Jungs, auf ein Urlaubserlebnis der spontanen Art – einen Roadtrip. Der Weg ist das Ziel – und nur dieses wird im Vorfeld fest vereinbart. Um den kalten Tagen in Deutschland zu entfliehen, entschlossen wir uns in diesem Jahr nach Athen zu fahren-  der Wetterbericht meldete für März bereits über 20°C. Ein paar Tage vor Beginn der Reise, lernten wir die Organisation „Balkan Konvoi“ kennen. Diese Organisation packt Rucksäcke für die Flüchtlingshilfe zusammen und sucht stets nach Möglichkeiten, diese in die Camps der Geflüchteten, wie zum Beispiel ins Griechische Idomeni, zu bringen. Da wir zwei Kombi’s für sechs Personen zur Verfügung hatten, entschlossen wir uns, die übrige Ladekapazität für diesen Transport zur Verfügung zu stellen. Jeder Zentimeter wurde genutzt, so dass für uns wenig bis keine Bewegungsfreiheit- für den Fahrer nur der Seitenspiegel zur Verfügung stand.

Nun war das erste Zwischenziel auf unserer Reise bekannt – Idomeni. Aufgrund der Platzprobleme beschlossen wir auf dem schnellsten Wege dorthin zu kommen und steckten die Route über Ungarn- Serbien – Mazedonien ab. Nach einem guten Start in Budapest wurde unsere Euphorie am darauffolgendem Tag gedämpft. Serbische Grenzbeamte erkannten schnell, dass es sich bei den vielen kleinen Rucksäcken um Flüchtlingshilfe handelt. Sie forderten uns auf, einen im oberen dreistelligen Bereich liegenden Betrag als Zoll zu bezahlen, oder die Rucksäcke an der Grenze zu entsorgen. Beide Möglichkeiten waren natürlich inakzeptabel und so versuchten wir unser Glück an einem anderen Grenzübergang – leider jedoch mit dem selben Ergebnis. So blieb nur der Weg an Serbien vorbei, über Rumänien und Bulgarien. Im rumänischen Inland übernachteten wir bei einer Gastfamilie, welche wir über das Internet finden konnten. Allerdings, war man hier nicht gut auf Angela Merkel zu sprechen.

Nach ein paar schönen und ereignisreichen Tagen, kam unser Roadtrip am bulgarisch-mazedonischen Grenzübergang erneut zum Stillstand. Am Grenzposten, der von mehreren  und meterhohen mazedonischen Flaggen stolz geschmückt war, gab man uns zu verstehen, dass die Passage mit unseren „Gütern“ nicht erwünscht ist. Sehr schade – wir hatten die Hauptstadt Skopje von mehreren Fremden empfohlen bekommen. Nun blieb uns nichts anderes übrig, als auch dieses Land zu umfahren. Schließlich kamen wir an der  griechischen Grenze an.  Nach der problemlos verlaufenen Einreise (lediglich eine Passkontrolle) versuchten wir den Weg nach Idomeni zu finden. Etwa 10 km vom Flüchtlingslager entfernt, durften wir im sog. „Refugee-Helpers-House“ übernachten, welches viele Voluntäre aus Deutschland beherbergt, die z.B. Teeküchen im Lager aktiv sind. Hierbei kam es zu vielen Interessanten Gesprächen und Begegnungen. Die Helfer berichten, dass die größte Probleme derzeit nicht der fehlenden Versorgung der Flüchtlinge gelten, sondern dass gerade gefährliche Flugblätter unbekannter Herkunft im täglich Umlauf sind. In zumeist arabischen Schriftzeichen werden damit vermeintliche „Löcher im Zaun“ oder unbekannte Stellen mittgeteilt, bei welchen ein Grenzübergang möglich sei. Da die Situation für viele Flüchtlinge im Lager aussichtslos erscheint, stoßen solche Meldungen auf Gehör. Diese stammten aber erschreckender Weise oft von rechten Gruppierungen, welche die Festnahme der illegalen Immigranten erwirken und provozieren wollen – so die Helfer.

Am nächsten Morgen begaben wir uns auf den Weg in das Camp, doch bereits der Weg dorthin stimmte uns nachdenklich und wir waren entsetzt. Links und rechts der Straße überall kleinere Lagerfeuer mit Menschen, die oft nicht mehr bei sich tragen als ihre eigenen Kleidung und Kinder, welche von den Strapazen erschöpft, kaum noch von ihren Eltern bei Laune gehalten werden können. Die Rucksäcke wurden dankend in Empfang genommen. Wir verließen anschließend das Lager. In den darauf folgenden Tagen konnten wir unseren Weg nach Athen fortsetzen. Neben der schönen Akropolis ist dort leider auch den Aufbruch eines unserer beiden PKW’s zu vermelden. Unter dem Diebesgut waren vorwiegend Schlafsäcke, Isomatten, Rucksäcke und Zelte. Wir ließen uns aber auch durch diesen Zwischenfall nicht die Laune verderben und setzten unsere Reise, nachdem wir nun an den Grenzen nicht mehr zu befürchten hatten, über Mazedonien und Serbien fort. Die Heimreise traten wir schließlich über Kroatien, Slowenien und Österreich an – mit vielen Erinnerungen und Erfahrungen im Gepäck.